Dienstag, 11. April 2017

Die Morawische Nacht; Peter Handke: Ein großes Stück Selbstreflexion


Die morawische Nacht ist ein äußerst authentisches und zutiefst einsichtiges Buch von Peter Handke. Die Reise des Hauptprotagonisten ist so ergriffen und breitgefächert geschildert, dass man kaum zweifelsfrei behaupten könnte, dass es nicht doch die Reise Handkes selbst ist.

Die Geschichte beginnt auf dem Bootshaus des Ex-Autors. Sechs Freunde besuchen ihn, und er beginnt auf diesem Boot seine Geschichte zu erzählen. Oder expliziter ausgedrückt: seine Flucht. Denn nichts anderes war jene Reise, die er angetreten hatte.
Flucht vor was? Vor wem? Seiner Todfeindin? Diese, die ihm ständig folgt und ihren Hass durch Briefe und tote Tiere vor die Türe legt? Anscheinend. Sie ist, laut dem Ex-Autor, die Einzige, die übrig geblieben ist, von all seinen Hassern.
Die Rundreise führte den Ex-Autor nach Numanica, nach Kärnten und in den Südharz. Sie beginnt jedoch im Balkan. In einer Enklave. Hierbei beschreibt er wie sie von Steinen beworfen werden. Von Kindern. Der alte Hass, der alte nie vergessene Zeitgeist der Balkanleute.

In weiterer Folge nimmt uns der Ex-Autor nicht nur auf eine Entdeckungsreise mit, sondern viel mehr auch in seine eigene Gefühlswelt. Die Gedanken einer Welt, Forderungen nicht entsprechen zu müssen. Erkannt zu werden, obwohl es Zeiten gab, an denen das Erkanntwerden ihn extrem gestört hatten und letztendlich auch zum alten Haus von Ferdinand Raimund, dessen Geist er spürt und dem er verrät, dass sie gleich seien, beide glauben sie nicht an das Böse, deswegen seien sie immer Verlierer gewesen, denn das Böse regiert die Welt.

All dies ist typisch für Handke, eingehüllt in Wortspielereien, die tief ans Herz gehen. Es ist eine Befreiung seines Geistes. Ein Buch, welches man jedem empfehlen kann. Ob Handke Liebhaber oder nicht. Ein Einstieg in die Literatur Handkes. Ein Bild einer Welt. Ein Laufsteg durch Erinnerungen. Das mit großem Abstand größte Meisterwerk von Peter Handke. Er selbst sagte zu diesem Buch, dass ihm endlich ein eigenes Buch vorliege, welches er jemandem empfehlen kann zu lesen.




Totenkünstler; Chris Carter: Künstlerisch ausbaufähig


Chris Carter hatte mich mit den ersten beiden Teilen "Der Kruzifixkiller" und "Der Vollstrecker" als großen Anhänger gewonnen. Die Figuren und der Plot waren geistreich entwickelt worden, sodass ich gespannt war, wie die Geschichte um den hochintelligenten Hunter weitergehen würde.
Der Nachfolger "Der Knochenbrecher" war anschließend deutlich schwächer und dieses Adjektiv muss man leider auch für den neuen Teil verwenden.

Die Geschichte beginnt ähnlich spannend wie es einst die Meisterwerke von Chris Carter getan haben. Ein todkranker ehemaliger Staatsanwalt wird bestialisch ermordet. Dieser Umstand impliziert die Fragen, wieso man einen bereits leidenden Menschen noch zu quälen braucht? Aus welchem Grund ein bevorstehender Tod noch beschleunigt werden muss?
Hinzu kommt, dass der Täter eine Skulptur aus den Körperteilen hinterlassen hat. Eine ekelerregende Konstruktion, die ein unfassbares Geheimnis in sich birgt, welches dem Ermittlerduo viele Kopfschmerzen bereitet, vor allem, als bei dem zweiten Mord wieder eine Skulptur hinterlassen wird.
Interessant wird der Plot ebenfalls dadurch, dass eine junge Recherchespezialistin dem Team beitritt.
Alice ist eine äußerst attraktive und sehr zielstrebige junge Frau. Zwischen Hunter und Alice scheint sich etwas zu entwickeln, etwas, das weit in ihre gemeinsame Vergangenheit zurück reicht.
Als die ersten Verdächtigen in die Schusslinie des Morddezernats geraten, entwickelt sich eine bizarre Geschichte.
Hierbei sehe ich die größten Defizite des Thrillers. Konstruieren ist das Werkzeug eines jeden Thrillerautors. Jedoch ist die Balance zwischen Konstruktion und Entwicklung die Basis für eine Spannung. Diese wird durch zahlreiche zu fiktionale Gegebenheiten aus dem Gleichgewicht gebracht. Leider ist vieles viel zu unrealistisch dargestellt worden. Ich hoffe, dass sich im nächsten Teil "Der Totschläger", die Episode wieder in gewohnte Qualität umwandelt.



Sie nannten mich "Held": Wie ich als Deutscher in Syrien gegen den Islamischen Staat kämpfte


Ich fand die Geschichte von Christian Haller im Vorfeld irrsinnig interessant. Die Vorstellung sich in ein fremdes Land zu begeben und zur Waffe zu greifen, ist für mich so fern, dass es mich interessierte, was einen Menschen dazu bewegen musste, so etwas tun zu müssen. Die Beweggründe von Christian Haller scheinen mir sehr dünnhäutig, nahezu erschreckend und wenig nachvollziehbar. Diesen Eindruck bekam ich sehr schnell, während der Lektüre und es ging dem Protagonisten wohl nicht anders. Überzeugung, Irritation und Unsicherheit waren ständige Begleiter für den Deutschen.

Diese gesamte Anekdote ließe sich viel brisanter, aktueller und vor allem treffender in einem Zeitungsbericht, oder gar in einem längeren Essay verfassen. Das Buch war die Vielzahl an Seiten nicht gerecht, ein solches zu werden eine Zumutung. Dazu wurde es zu sehr gepumpt durch Inhalte, die unwichtig und uninteressant geschildert wurden. Die wenigen spannenden Momente, verloren ihre Brisanz durch zu viele unnötige Erzählungen in den Zwischensequenzen.

Der Titel suggeriert auf eine Heldengeschichte. Helden, sofern es sie gibt, werden nicht in oder durch Kriege geboren. Sie manifestieren sich durch menschliche, mystische und gesellschaftliche Taten. Diese liegen hier nicht vor.



Ich bin der Zorn; Ethan Cross: Die Hirten sind zurück


Im vierten Teil, rund um das Bruder-Gespann Ackermann, dreht sich die Geschichte um ein neu entwickeltes Gefängnis in Foxbury. In diesem Gefängnis halten sich Schwerverbrecher auf, die mit Fuß- und Handmanschetten ausgestattet sind, die verhindern, dass sie gewalttätig werden. Sobald einer der Gefangenen eine kleine Form von Gewaltausübung in seinen Gedanken spürt, wird er von Stromschlägen zu Boden gerissen. Als ein Attentat auf das Gefängnis veranlasst wird, und Ackermann JR. in das Gefängnis geschleust wird, um an der Aufdeckung teilzunehmen, bricht das Chaos aus. Denn das perfide Spiel eines grausamen Mörders beginnt jenseits des Gefängnisses.
Ackermann JR ist wieder so fantastisch beschreiben, dass er die zentrale Figur dieses Romans einnimmt. Erist ein Bösewicht, der seinesgleichen in der Literatur sucht. Schon allein wegen dieses Konstrukts, ist der Thriller eine Augenweide.
Marcus, sein Bruder, spielt natürlich wieder eine zentrale Rolle. Neben der Fahndung nach dem Mörder und der Aufklärung der Attentate des Gefängnisses, hat er auch mit seiner Freundin Maggie und seinem Sohn Dylan zu kämpfen. Er verliert immer mehr den Draht zu ihnen.
Dies macht den Fall um so spannender. Denn der Drahtzieher behält die Übersicht und die Macht in seinen Händen und bringt Marcus in lebensgefährliche Situationen.

Der Thriller ist wieder einmal sensationell. Spannung bis zum Ende und natürlich von Anfang bis Ende wieder perfekt strukturiert und geplant. Ich bin ein riesengroßer Fan von Ethan Cross. Ich freue mich auf sein neues Buch "Spectrum" und freue mich auf weitere Teile. Er gehört für mich zu den Größen der Thriller-Literatur.

Ein schönes Zitat von Ackermann JR. aus diesem Band: "Menschen vernichten eher das, was sie lieben, als das, was sie hassen!"

Ich empfehle es jedem Liebhaber dieses Genres und jenen, die es noch sein wollen!



Der Fünfzigjährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte; Mikael Bergstrand


Dieses Buch umfasst ein großes Spektrum an Themen. Es ist politisch, lustig, ernst, lebensnah, umkreist die Landschaft derFreundschaft und der Liebe. All diese ethischen Punkte fasste Bergstrand zu einer äußerst amüsanten Geschichte zusammen. Spannend und herzhaft bis zum Schluss.

Der Hauptprotagonist Goran Börg, ist einer jener Figuren eines Buches, die man sofort ins Herz schließt. Er hat die "kritischen" 50 Jahre überschritten. Seine Lebenskrise manifestiert sich auch dadurch, dass er Single ist und seine Suche nach dem Sinn lange noch nicht abgeschlossen ist. Er gesteht sich ein, dass er nichts Besonderes ist.
 Zu allem Überfluss teilt ihm sein Chef mit, dass ihn die Zeit überholt habe und er ihn leider kündigen müsse. Nach 20 Jahren! Es beginnt der Wettlauf gegen das Leben. Nun sind 50 Jahre seines Lebens verstrichen und er steht da als geschiedener, arbeitsloser, hoffnungsloser Fall. Als einer seiner besten Freunde ihm vorschlägt, dass er spontan mit ihm nach Indien fahren soll, hält er dies zunächst für eine bescheuerte Idee. Jedoch wird ihm schnell bewusst, dass es nichts gibt, was ihn noch in Malmö hält. Selbst seine zwei Kinder nicht, zu denen er nur regen Kontakt pflegt. Also kauft er ein Ticket und fährt zu der Reise seines Lebens. Eine Reise, die sein gesamtes Leben umstellt und in der er begreift, dass es im Leben noch so viel zu holen gibt.

Das Buch ist absolut zum Weiterempfehlen. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzung!



Blood on Snow. Das Versteck; Jo Nesbø


Jo Nesbø ist ein äußerst erfolgreicher und fantastischer Thriller-Autor. Dieses Buch ist jedoch anders. Anders - aber gut.

Ulf ist ein vom Schicksal verlassener Mensch. Keine Freunde, keine Familie, kein Glaube und nur eine Vergangenheit, die zu erinnern sich nicht lohnt. Er ist auf der Flucht. Wie im ersten Teil ist Fischer wieder als skrupelloser Gangster im Hintergrund, der die Fäden zieht.
Ulf setzt sich, aus der großen Stadt Oslo, in das kleine Dorf Finnmark ab. Hier scheint er sicher zu sein. Doch jedes Dorf hat auch seine Geheimnisse. Seine Tugenden und bizarren Geschichten. Diese muss Ulf auf grausame Art und Weise kennenlernen.
Als er sich in die fromme Frau und Tochter des Predigers des Dorfes verliebt, beginnt seine Achterbahn des Abenteuers. Außer den Gefahren des Dorfes, lauert jedoch auch die Gefahr aus der Hauptstadt. Seine schlimmsten Feinde der Vergangenheit sind ihm nämlich dichter auf den Fersen, als er sich je erträumt und erwünscht hätte.

Das Genre dieses Buches ist etwas schwierig zu deuten. Jedoch glaube ich, dass man sich nicht immer auf Genres festnageln sollte. Genauso wenig halte ich von Buchkäufen, wegen gutaussehenden Covers. Deswegen verstehe ich nicht, wieso Leute dieses Buch nun am verfehlen des Genres festnageln! Nein, es ist kein Thriller wie er im Buche steht. Aber machen unerwartete, neue, esoterische Sachen nicht oftmals den Charakter eines guten Buches aus?
Jo Nesbo beweist absolutes Fingerspitzengefühl. Er transportiert Spannung an den richtigen Stellen. Was ihm jedoch in diesem Buch als neue Eigenschaft zugeschrieben werden kann, ist die Übermittlung von Gefühlen. Von Lebensweisheiten und einen Versuch der Demonstration von Liebe im Kampf gegen das Gräuel der Welt.
Aus einem Dialog dieses Buches: 
»Das Leben besteht vor allem aus Dingen, die man versuchen muss, obwohl man keine Ahnung davon hat. Man verliert dabei häufiger, als dass man gewinnt. Selbst Futabayama hat wieder und wieder verloren, bevor er siegte. Aber ist es denn schlecht, gut in den Dingen zu sein, die man am häufigsten tun muss?«

Absolute Leseempfehlung !



Noah, Sebastian Fitzek: Am Puls der Wahrheit


Selten habe ich ein Buch aus der Unterhaltungsbranche so sehr gefeiert wie dieses! Ein Thriller, der spannend ist und zugleich über viele Dinge aufklärt und nachdenken lässt. Ein solches Werk zu manifestieren, ist eine Herkulesaufgabe, welche Sebastian Fitzek gemeistert hat. Dafür schon mal: Alle Achtung!

Noah wacht in einer U-Bahn Station auf und weiß nicht mehr wer er ist. Er hat kaum Erinnerungen. Peripher schießen ihm einige Erinnerungsstücke wieder zurück in das Hirn, jedoch sind sie so verwirrend, dass sie ihm nicht weiterhelfen. Seine Identität ist wie erloschen. Ein korpulenter, intelligent wirkender Mann, stellt sich ihm als sein Retter vor. Er hatte ihn gefunden und gepflegt. Oscar. Er erzählt Noah, dass er sich in den Untergrund begeben hat, weil er davon ausgeht, dass man die Menschen mit einem Mittel, welches sich CLEAR nennt, täglich vergiftet und somit krank macht. Dieses wird zumeist von Flugzeugen hinabgelassen, ohne dass es jemand je sehen oder gar fühlen könnte.
Die Wahrheit liegt nicht weit entfernt, jedoch ist sie noch schrecklicher, wie es sich herausstellen sollte.
Als ein Gemälde in der Zeitung auftaucht, dessen Maler gesucht wird, und ein Preisgeld von einer Million Euro für dieses Bild winkt, wenn er weiß was auf der Rückseite des Bildes steht, glaubt Noah sich zu erinnern, dass er das Bild gemalt hatte. Der Anruf verändert sein ganzes Leben. Plötzlich ist nichts mehr so wie es scheint. Wer ist er? Und wem kann er vertrauen? Ist Oscar tatsächlich der, als der er sich ausgibt?
Eine Kette von Ereignissen eröffnen noch mehr Fragen auf dem Weg zur Identität Noahs.
Das Ende ist wie immer genial und überraschend vom Autor kreiert worden.

Ein Buch, welches einen noch lange über enzyklopädische Dinge nachdenken lässt. Über Wertigkeit und Verbrauchertätigkeiten. Über Sinn und Vernunft unseres Handelns. Über das Leben selbst.
All das verpackt in einer Brise Fiktion und einer Brise Spannung explizit auf dem Puls der Wahrheit, macht dieses Buch, zu einem der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Klare Kaufempfehlung!



Die Eleganz des Tötens; A. K. Benedict


Die noch so junge Autorin A.K. Benedict hat sich in diesem Buch mit dem Mythos Cambridge befasst. Eine der ältesten Universitäten der Welt. Sie lässt die Urwesen zum Leben erwachen.

Killigan ist neuerdings als Dozent angeheuert worden. Er unterrichtet Philosophie und beginnt sich ekstatisch in seiner neuen Aufgabe zu integrieren. Sein bester Freund ist ebenfalls Dozent an der Universität. Die neue Tragweite dieses Lebens offenbart Killigan die wahre Schönheit. Als er noch dazu eine äußerst hübsche Bibliothekarin kennenlernt, ist der Pegel der Freude ganz oben angekommen.
In dieser Hochstimmung der Gefühle befindend, entdeckt er eine Leiche. Auf ihrem Handgelenk ist ein S eingraviert und die Worte prangen hervor: Du bist schuld.
Als er die Polizei verständigt und sie zum Ort der Leiche hinführt, ist die Leiche bereits weg. Schlimmer noch: Alle Überwachungskameras können weder die Leiche noch eine Person entdecken, die die Leiche hätte hinbringen können?
Was für ein Spiel wird hier gespielt? KIlligan ist verzweifelt, doch er ist sich sicher, dass er nicht halluziniert. Mit der Zeit entpuppt sich die Wahrheit als so unvorstellbar, dass jede Möglichkeit es den Leuten zu erklären schwindet. Der Mörder der Menschen ist nicht von hier. Er reist durch die Zeit.

Ein gewagtes und sehr aussichtsreiches Thema. Jedoch hat es die Autorin nicht geschafft einen linearen Handlungsstrang zu kreieren. Sie verläuft sich zu sehr in die Irrwege des Erzählens. Erläutert oft Geschehnisse, die keine Rolle spielen und den Leser langweilen. Viel Potenzial steckt jedoch in ihr. Sie schafft es sehr gut die Gefühle und Gedanken von den Protagonisten an der richtigen Stelle zu positionieren, sodass eine Stimmung zwischen Leser und den Figuren entsteht.
Sie hat auch einen durchaus prägnanten Schreibstil. Hier ein kurzer Ausschnitt, der dies untermauert: "Die Menschen nehmen immer an, dass Ärger im Dunklen lauere; sie vergessen, dass es die kleine Lichtquelle ist, welche Schatten erzeugt."
Manche Dinge sind zu sehr an den Haaren herbeigezogen und werden auch viel zu schnell aufgebaut. Z.B.: Die Möglichkeit der Beziehung des Hauptprotagonisten und der Bibliothekarin. Das wirkt einfach viel zu plastisch.
Ich bin gespannt, ob die Autorin noch weitere Bücher herausbringen wird und wenn ja, ob sie ihr Potenzial dann vollständig entfalten wird.



Der Kreis des Todes; Steve Mosby: Menschwerdung des Todes


Steve Mosby hat einen spannungsgeladenen, wenn auch oft skurrilen und äußerst ins Labyrinth führenden, Thriller geschrieben.
Die Erzählperspektive wechselt sehr häufig. Man bekommt durch die auktoriale Erzählperspektive verschiedene Personen beschrieben und der Hauptprotagonist wird als Ich-Erzähler durch die Geschichte balanciert.

Es geht um eine Reihe von unaufgeklärten Vermisstenmeldungen. Die Polizei ist hilflos und sucht nach den Personen bzw. nach deren Leichen. Paul Kearney der Hauptermittler gibt der Familie eines vermissten Mädchens ein Versprechen sie finden zu werden. Ähnlich wie in Friedrich Dürrematts "Das Versprechen", droht er an der Last des Versprechens zu zerbröseln. Doch dieser Fall läuft auch auf eine persönliche Vergangenheit zurück. Eine, die ihn sein ganzes Leben zerstört hatte. Und die Menschen, die dafür verantwortlich waren, stehen wohl auch hinter all diesen Verbrechen.
Der Hauptprotagonist Alex Connor wird ebenfalls von seiner Vergangenheit heimgesucht. Er verlor Jahre zuvor seine Ehefrau. Sie beging Selbstmord. Schloss Jahre zuvor eine Lebensversicherung ab und hinterließ ihm so ein kleines Vermögen. Daraufhin zog er nach Venedig und lebte von der Welt abgeschlossen. Bis er eines Tages ein Bild im Fernseher sieht. Darauf wird eine Vermisstmeldung seiner ehemals besten Freundin gezeigt. Erinnerungen brodeln in ihm. Wenig später kommt die Meldung, dass sie tot ist und der Mörder sich gestellt habe. Es war sein Bruder James. Das verändert für ihn alles. Er musste zurück in die Vergangenheit. Hier ist die Stelle, in der Mosby beschreibt, was in dem Protagonisten vorgeht, nachdem er zurück in seine Heimatstadt gekehrt ist:
"Ich hätte ja erwarten müssen, dass sich einiges geändert hatte, aber hierauf war ich nicht vorbereitet. Das Leben der Menschen ändert sich ständig, und erst wenn man sich davon entfernt, wird man sich der Veränderung bewusst. Aber ich hatte die Freunde, die ich zurückgelassen hatte, so lange nicht gesehen, und in meinem Bewusstsein waren sie die Gleichen geblieben, erstarrt und bewegungslos wie die Gesichter auf einem Foto. In Wirklichkeit jedoch hatten sie natürlich ohne mich weitergelebt und waren andere Menschen geworden, genauso wie die Stadt sich verändert hatte."

Das Buch ließt sich sehr gut. Der Schreibstil ist äußerst flüssig und prägnant.
Das Problem ist, dass Steve Mosby wohl zu sehr sich auf den im Titel angegebenen "Kreis" konzentriert hatte. Denn er zog einen Kreis der Verwirrungen nach sich. Oft sind gewisse Dinge nicht sehr nachvollziehbar, beziehungsweise so verwirrend, dass man nicht ganz folgen kann und etwas den Faden zur Geschichte verliert. Der Hauptprotagonist ist ein äußerst bewegender und erstaunlich gut beschriebener Charakter. Jedoch fallen die restlichen Charaktere etwas dünn aus.



Mieses Karma hoch 2; David Safier: Karma kommt selten allein


Gutes Karma sammeln geht in die zweite Runde. Ähnlich spannend, ähnlich witzig und ähnlich humorvoll schickt David Safier seine Protagonisten in die ungewisse Welt.
Ohne die Inhaltsangabe zu lesen (das mache ich bei David Safier NIE), war ich sehr euphorisch und extrem gespannt wie die Geschichte weitergeht. Die Geschichte geht weiter? Nein, nicht ganz. Die Protagonistin wird in einigen Erinnerungen wieder erwähnt, jedoch spielt sie im neuen Buch keine Rolle. Es werden mit den zwei Protagonisten, Daisy und Marc, zwei komplett unterschiedliche Personen ins Geschehen gehievt. Der eine ist ein Weltstar, während die andere einen Traum vom Weltstar-Dasein hat.
Als die nur mäßig engagierte und mit mäßigem Talent ausgestattete Amateur-Schauspielerin Daisy von ihrem Agenten angerufen wird, um in einer Filmrolle von James Bond mitzuspielen, ist diese total perplex. Natürlich entspricht sie nicht im geringsten den Idealen einer James Bond Darstellerin. Sie wird von Marc auch eiskalt abgelehnt.
In einer hochbrisanten Abfolge, bei der sein Hund stirbt, Daisy von einem albanischen Taxifahrer gejagt wird und die gesamte Welt letztendlich erfährt, dass Daisy den Hund getötet hat, findet Daisy zusammen mit Marc bei einem Autounfall das Ende ihres Lebens. Sie erwachen beide als ...

Ich glaube die Phasen der Metamorphose sollten nicht erwähnt und die Spannung elektrisierend gehalten werden. Denn diese ist es auch, die dem Lesen den nötigen Reiz verleiht.

Der Kern der Geschichte ist, wie bei den meisten Büchern von David Safier, die Liebe. Die Suche nach ihr. Nach dem wohl stärksten Element, welches diese triste Welt besitzt. Ob die zwei Protagonisten sie finden, sollten Sie unbedingt nachlesen.



Rezensionen:

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