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Freitag, 21. Juli 2017

Spectrum - Ethan Cross - Zukunftsmusik







Stellen Sie sich eine Welt vor ohne Autos mit Verbrennungsmotoren. Durch die Präsentation der Elektroautos mag es kein allzu utopischer Gedanke sein. Doch was wäre, wenn die Autos eine Batterie hätten, die man niemals aufladen müsste. Energie auf Lebenszeit. Ferner gedacht: jeder Haushalt könnte ohne Stromkabel auskommen, weil eine installierte Batterie für alles ausreichen würde. Ein unfassbar famoser Gedankengang. Aber was, wenn sie dazu eingesetzt werden würde, um Drohnen überall über die Häuser schweben lassen zu können. Unbegrenzt langer Aufnahmemodus. Jedes Leben könnte gezielt beobachtet werden. Mit diesen und vielen weiteren Machenschaften beschäftigt sich Ethan Cross in seinem neuen "Thriller".

Die Figurenvielfalt ist ein zentraler Aspekt dieses Buches. Man wird auf den ersten Seiten mit vielen Figuren konfrontiert. Was zunächst für diffuses Vorankommen sorgt. Schnell lichtet sich diese Verwirrung und man gewinnt viel Sympathie für die Protagonisten. Durch die auktoriale Erzählweise bekommt man eine sehr gute Darstellung der einzelnen Charaktere. Es ist sehr schwierig eine Hauptfigur zu kennzeichnen. Die Geschichte ist so aufgebaut, dass viele Figuren eine zentrale Position einnehmen. Neben Nic vom SWAT stehen Carter als FBI Agent, Burke als Analyst vom FBI und Krüger als Profikiller auf einer Ebene der signifikanten Positionen in der Anekdote. Ein exzentrisches Bild gibt Burke ab, der am Asperger Syndrom leidet. Eine exorbitant hohe Intelligenz mit einem Doktortitel in Kriminalpsychologie und zwei Mastertiteln, sowie eine Angst vor der Nähe zu Menschen, machen ihn zu einer interessanten Figur.

Einerseits trifft er sehr rasch richtige Entscheidungen. Andererseits agiert er sehr untypisch und merkwürdig für einen Menschen. Diese Ambivalenz streut in einem ansonsten ernsten Thema eine Spur von Humor und belebt den Inhalt der Ereignisse.

Ethan Cross ist ein Pseudonym und hat bereits vier erfolgreiche Thriller geschrieben. Die Shepherd Organization, die Teil dieser Thriller ist, wird auch in diesem Buch kurz erwähnt. Wie üblich für den Autor, gibt es sehr fließende Übergänge bei den Kapiteln. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten und die Sätze sind prägnant und sehr leicht verständlich. Sehr schnell wird klar, dass der Autor nicht nur eine bahnbrechende Zukunftsvision manifestieren will, sondern auch die Fronten zwischen CIA und FBI aufzuzeigen versucht. Die Qualität ist hoch, auch wenn sie nicht an die Thriller um die Shepherd Organization ankommt.


Zu Beginn wird ein Massaker in einem Camp in Südafrika eingeführt. Dieses spielt für die weiteren Handlungen eine Rolle. Die Geschichte spielt sich ansonsten rund um Vegas ab. Ein Überfall auf eine GoBOX Filiale, welche für Wertpapiere und geheime Operationen zuständig ist, ist der essentielle Teil dieses Buches. Beinahe die gesamte Handlung dreht sich um den Überfall.

Es ist jedoch keinesfalls ein üblicher Überfall bei dem es sehr schnell gehen muss. Die Räuber lassen sich sehr lange Zeit und zögern alles sehr lange hinaus.
Welchen Zweck verfolgen sie dabei? Warum wollen sie nur mit einem führenden FBI Agenten sprechen? Und wieso mischt sich die CIA in die Sache ein? Intrigen werden gesponnen, die das Weltbild unserer Gesellschaft nur zu genau widerspiegeln.

Es ist ein äußerst gelungener Thriller mit einigen zu langen Sequenzen. Manchmal ist weniger wirklich mehr. Die Klarheit der Sprache und die fantastische Konstellation der Figuren bereiten dem Leser extrem viel Freude. Zwar wird die Thematik sehr schnell aufgelöst und die Spannung vorweggenommen, aber es ändert nichts daran, dass man wissbegierig bis zum Ende lesen will. Mit Burke wurde zudem eine Figur erschaffen, die Potenzial hat eine heldenhafte Gestalt in weiteren Romanen von Ethan Cross zu werden. Es bleibt abzuwarten wie der Autor weitervorgehen wird. Eine Fusion zwischen der Shepherd Organization und einigen der neuen Charaktere ist mit Sicherheit kein abwegiger Gedanke. Dieses Buch ist als Thriller- und Fantasyroman mit Zukunftsvorstellungen zu verstehen und absolut zu empfehlen.


Sonntag, 4. Juni 2017

Fenster zum Tod - Linwood Barclay - Eine bittere Enttäuschung



Thomas ist anders. Er leidet an Schizophrenie. Niemand nimmt ihn ernst. Wie ein kleines Kind muss er sich von Tag zu Tag kämpfen. Dabei ist er bereits 35. Sein Zuhause ist das Internet. Expliziter: Whirl365. Eine Internetseite auf der er sich in jeder Straße der Welt frei bewegen kann. Karten und Orte sind seine Lebensinhalte. Bis er eines Tages auf eine Merkwürdigkeit stößt. An einem Fenster erblickt er einen Kopf, der in einer weißen Plastiktüte zu stecken scheint. So als würde er gerade erstickt werden. Doch wer soll ihm das glauben, vor allem als wenige Tage später der Kopf nicht mehr zu sehen ist, aber dieselben Autos und Menschen auf der Straße stehen.

Das Buch beginnt brisant. Man wird sehr schnell in die Thematik hineingezogen und will wissen, was hinter dieser Sache steckt. Doch die Geschichte wird sehr schnell aufgelöst. Man kann sich nach in etwa 300 Seiten bereits denken, wie die Geschichte ausgehen wird. Es wird aus sehr vielen Perspektiven erzählt. Diese jedoch werden nicht raffiniert manifestiert, sondern decken die Geschichte relativ früh auf.


Der Ich-Erzähler Ray ist ein Illustrator. Er ist der Bruder von Thomas. Er sieht das Bild auf dem Bildschirm ebenfalls. Zunächst denkt er, dass es sich um eine Puppe handelt. Doch als weitere Morde geschehen, beginnt er seinem Bruder zu glauben. Er fängt an zu recherchieren und landet sehr bald selbst in den Radar der Täter.Vor allem diese Ich-Figur, die die größte Erzähltragweite einnimmt, ist sehr schwach ausgeleuchtet. Wenig Leben und wenig Sympathie zeichnen diese Figur aus. Schnell wird man von dem Buch gelangweilt, weil die Figuren äußerst apathisch sind.


Es gibt auch eine Liebesgeschichte in diesem Buch. Doch selbst diese ist nicht prickelnd erzählt. Sondern verläuft so unrealistisch wie der gesamte Inhalt des Buches. Man wird als Leser weder gefordert noch auf die Folter gespannt. Nach in etwa 400 Seiten löst sich das Ekstatisch komplett auf und man will das Ende gar nicht mehr wissen, weil man es sowieso bereits im Kopf konstruiert hat.


Linwood Barclay ist ein begnadend guter Thriller-Autor, der mit beinahe jedem Buch auf den Bestsellerlisten landet. „Ohne ein Wort“ und „Nachts kommt der Tod“ verdienen diese Etikettierung allemal. „Fenster zum Tod“ ist eine sehr interessante Idee. Diese wurde jedoch relativ schwach umgesetzt. Es sind 590 Seiten, die einen viele Stunden nehmen und beinahe nichts geben. Die wertvolle Zeit des Lesens sollte man definitiv in andere Bücher investieren.



Freitag, 28. April 2017

Die Entscheidung - Charlotte Link - Die Finsternis unserer Welt



Die mittlerweile 54-jährige Bestseller Autorin Charlotte Link hat ihr nächstes Buch herausgebracht. Sie gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren. Nach den letzten zwei sehr aufregenden Büchern »Im Tal des Fuchses« und »Die Betrogene«, war die Vorfreude auf den neuen Krimi »Die Entscheidung« dementsprechend exorbitant. 

Charlotte Link Kenner werden von der Erzählweise wenig überrascht sein. Meisterhaft spinnt die Autorin wieder ein Netz von widerwärtigen Konflikten und Geschehnissen. Erwartungsgemäß gelingt ihr das in ihrer prägnanten Sprache äußerst famos. Die Leichtigkeit der Schilderung der Ereignisse ist eine Tugend, die diese Autorin zu ihrer breiten Beliebtheit verholfen hat. Der Stil ihres Erzählens verleitet Menschen dazu, sich auch in Geschichten verlieben zu können. Bei dem neuen Werk scheint mir jedoch die Intensität zu groß zu sein. Die Beschäftigung mit den Details zu ausgeprägt. Seitenfüller. Unwichtiges als Wichtiges reklamierend. Ungewohnt bei dieser ansonsten prägnanten Schreiberin.


Die Handlung spielt sich zu einer Zeit ab, in der in Frankreich wegen der Terroranschläge immer noch der Ausnahmezustand herrscht. Die Erzählung beginnt mit einer Flucht Anfang Dezember, und umfasst eine mehrwöchige Odyssee durch Missverständnisse, Elend, Macht und Angst. Kapitelweiße werden immer die Tage datiert, an denen sich die Handlung abspielt. Eine Reise ist es auch deswegen, weil sich die Geschichte an mehreren Orten abspielt und sie, trotz der großen Entfernungen zueinander, verbindet. Paris, Lyon, Les Lecques und Sofia sind dabei zentrale Verbindungsantennen.

Die Hauptprotagonisten des Romans Nathalie und Simon sind die Säulen der Erzählung. Wobei Nathalie aus einer monologartigen Ich-Perspektive ihre Geschichte und die gegenwärtigen Handlungen erzählt und Simon aus der auktorialen Erzählsicht beschrieben wird. 
Weiters wird die Geschichte, wie bei Link gewöhnlich, aus der Sicht von vielen verschiedenen Figuren dargestellt. Man bekommt ein Konstrukt einer Geschichte aus den Augen vieler Charaktere. Diese äußerst interessante Vorgehensweise macht den Inhalt dieses Buches spannend. Die Spannung gerät jedoch immer dann ins Wanken, wenn die Erzählung dazu neigt, alles immer genau schildern zu wollen. Es macht den Eindruck einer Erklärungsnot. Mit den zunehmenden Seiten überschwemmt diese Schreibweise die Spannungselemente.

Simon ist ein 40-jähriger Übersetzer aus Hamburg, der seit einigen Jahren geschieden ist. Seine Mitmenschen echauffieren sich über seine Art, es jedem recht machen zu wollen. Durch seine Gutmütigkeit erreicht er immer das Gegenteil seiner Intentionen. Als seine Kinder ihm absagen, das Weihnachtsfest mit ihm zu verbringen, bleibt er in dem Ferienhaus seines Vaters in Frankreich alleine zurück. Seine neue Beziehung läuft ebenfalls auf sehr glattem Eis, sodass er betrübt einen Spaziergang am Strand vollzieht. Als er dort einen Streit mitbekommt und von einer jungen Frau angefleht wird ihr zu helfen, ist es wieder seine Gutmütigkeit, die ihn in eine verlegene Position kommen lässt. Er nimmt die fremde, verstörte Person mit sich in das Ferienhaus.
Der größte Fehler seines Lebens. Ab diesem Moment stürzt ihn seine Hilfsbereitschaft in eine Verstrickung, die sein Leben für immer verändern wird.

Das Buch handelt viele Themen am Puls der Zeit ab. Machtverhalten, Armenverhältnisse, Lebenskrisen und die heutzutage sehr präsente Thematik der Schleuserbanden sind dabei das Zentrum. Der Blick auf diese verschiedenen Themen wird sehr vergrößert dargestellt und durch die verschiedenen Charaktere manifestiert. Die Figuren, die aus verschiedenen Milieus stammen, versuchen diese Begriffe, aus verschiedener Sichtweise zu tragen und zu erklären. 

Die Problematik scheint mir hier zu sein, dass manchen Figuren die Authentizität fehlt. Manche Figuren wirken zu plastisch und zu hohl. Simon und Nathalie, die zwei Hauptcharaktere dieser Geschichte besitzen kaum Strahlkraft. Man fühlt sich als Leser sehr distanziert zu ihnen. Man versucht viel Abstand zu ihnen zu gewinnen.  Ein Ergebnis von zu wenig Leben in den Figuren. 
Um Marcel Reich-Ranickis Quintessenz zu Detailverliebtheit zu verwenden: 250 Seiten weniger hätten dem Buch mehr Stärke verliehen. Charlotte Link hat schon bessere Bücher geschrieben. Jedoch ist dieses Werk eines, welches sich mit sehr essentiellen, gesellschaftskritischen Themen befasst. Zu lesen lohnt es sich aus diesem Grund allemal.


Dienstag, 11. April 2017

Blood on Snow. Das Versteck; Jo Nesbø


Jo Nesbø ist ein äußerst erfolgreicher und fantastischer Thriller-Autor. Dieses Buch ist jedoch anders. Anders - aber gut.

Ulf ist ein vom Schicksal verlassener Mensch. Keine Freunde, keine Familie, kein Glaube und nur eine Vergangenheit, die zu erinnern sich nicht lohnt. Er ist auf der Flucht. Wie im ersten Teil ist Fischer wieder als skrupelloser Gangster im Hintergrund, der die Fäden zieht.
Ulf setzt sich, aus der großen Stadt Oslo, in das kleine Dorf Finnmark ab. Hier scheint er sicher zu sein. Doch jedes Dorf hat auch seine Geheimnisse. Seine Tugenden und bizarren Geschichten. Diese muss Ulf auf grausame Art und Weise kennenlernen.
Als er sich in die fromme Frau und Tochter des Predigers des Dorfes verliebt, beginnt seine Achterbahn des Abenteuers. Außer den Gefahren des Dorfes, lauert jedoch auch die Gefahr aus der Hauptstadt. Seine schlimmsten Feinde der Vergangenheit sind ihm nämlich dichter auf den Fersen, als er sich je erträumt und erwünscht hätte.

Das Genre dieses Buches ist etwas schwierig zu deuten. Jedoch glaube ich, dass man sich nicht immer auf Genres festnageln sollte. Genauso wenig halte ich von Buchkäufen, wegen gutaussehenden Covers. Deswegen verstehe ich nicht, wieso Leute dieses Buch nun am verfehlen des Genres festnageln! Nein, es ist kein Thriller wie er im Buche steht. Aber machen unerwartete, neue, esoterische Sachen nicht oftmals den Charakter eines guten Buches aus?
Jo Nesbo beweist absolutes Fingerspitzengefühl. Er transportiert Spannung an den richtigen Stellen. Was ihm jedoch in diesem Buch als neue Eigenschaft zugeschrieben werden kann, ist die Übermittlung von Gefühlen. Von Lebensweisheiten und einen Versuch der Demonstration von Liebe im Kampf gegen das Gräuel der Welt.
Aus einem Dialog dieses Buches: 
»Das Leben besteht vor allem aus Dingen, die man versuchen muss, obwohl man keine Ahnung davon hat. Man verliert dabei häufiger, als dass man gewinnt. Selbst Futabayama hat wieder und wieder verloren, bevor er siegte. Aber ist es denn schlecht, gut in den Dingen zu sein, die man am häufigsten tun muss?«

Absolute Leseempfehlung !



Rezensionen:

Die Suche - Charlotte Link - Mädchenfänger

Eines Tages wachst du auf und dein Leben ist nicht mehr dasselbe. Als Hannah verschwindet, bricht für ihren Vater, Ryan, die Welt zus...