Dienstag, 11. April 2017

Der Kreis des Todes; Steve Mosby: Menschwerdung des Todes


Steve Mosby hat einen spannungsgeladenen, wenn auch oft skurrilen und äußerst ins Labyrinth führenden, Thriller geschrieben.
Die Erzählperspektive wechselt sehr häufig. Man bekommt durch die auktoriale Erzählperspektive verschiedene Personen beschrieben und der Hauptprotagonist wird als Ich-Erzähler durch die Geschichte balanciert.

Es geht um eine Reihe von unaufgeklärten Vermisstenmeldungen. Die Polizei ist hilflos und sucht nach den Personen bzw. nach deren Leichen. Paul Kearney der Hauptermittler gibt der Familie eines vermissten Mädchens ein Versprechen sie finden zu werden. Ähnlich wie in Friedrich Dürrematts "Das Versprechen", droht er an der Last des Versprechens zu zerbröseln. Doch dieser Fall läuft auch auf eine persönliche Vergangenheit zurück. Eine, die ihn sein ganzes Leben zerstört hatte. Und die Menschen, die dafür verantwortlich waren, stehen wohl auch hinter all diesen Verbrechen.
Der Hauptprotagonist Alex Connor wird ebenfalls von seiner Vergangenheit heimgesucht. Er verlor Jahre zuvor seine Ehefrau. Sie beging Selbstmord. Schloss Jahre zuvor eine Lebensversicherung ab und hinterließ ihm so ein kleines Vermögen. Daraufhin zog er nach Venedig und lebte von der Welt abgeschlossen. Bis er eines Tages ein Bild im Fernseher sieht. Darauf wird eine Vermisstmeldung seiner ehemals besten Freundin gezeigt. Erinnerungen brodeln in ihm. Wenig später kommt die Meldung, dass sie tot ist und der Mörder sich gestellt habe. Es war sein Bruder James. Das verändert für ihn alles. Er musste zurück in die Vergangenheit. Hier ist die Stelle, in der Mosby beschreibt, was in dem Protagonisten vorgeht, nachdem er zurück in seine Heimatstadt gekehrt ist:
"Ich hätte ja erwarten müssen, dass sich einiges geändert hatte, aber hierauf war ich nicht vorbereitet. Das Leben der Menschen ändert sich ständig, und erst wenn man sich davon entfernt, wird man sich der Veränderung bewusst. Aber ich hatte die Freunde, die ich zurückgelassen hatte, so lange nicht gesehen, und in meinem Bewusstsein waren sie die Gleichen geblieben, erstarrt und bewegungslos wie die Gesichter auf einem Foto. In Wirklichkeit jedoch hatten sie natürlich ohne mich weitergelebt und waren andere Menschen geworden, genauso wie die Stadt sich verändert hatte."

Das Buch ließt sich sehr gut. Der Schreibstil ist äußerst flüssig und prägnant.
Das Problem ist, dass Steve Mosby wohl zu sehr sich auf den im Titel angegebenen "Kreis" konzentriert hatte. Denn er zog einen Kreis der Verwirrungen nach sich. Oft sind gewisse Dinge nicht sehr nachvollziehbar, beziehungsweise so verwirrend, dass man nicht ganz folgen kann und etwas den Faden zur Geschichte verliert. Der Hauptprotagonist ist ein äußerst bewegender und erstaunlich gut beschriebener Charakter. Jedoch fallen die restlichen Charaktere etwas dünn aus.



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