Mittwoch, 22. November 2017

Cox oder der Lauf der Zeit - Christoph Ransmayr - Banale Ideologie





Als Cox Tochter stirbt, zerfällt sein gesamtes Leben. Wie eine Sanduhr zerfließt die gemeinsame Zeit mit seiner Frau und bildet am Grund eine neue Beziehung. Diese äußerst sich mit dem Schweigen und dem Streben nach Stille. Cox, der beste Automatenbauer und größte Uhrenmacher weltweit verliert mit dem Tod seiner Tochter auch sein Leben. Bis eines Tages zwei Gesandte aus China an ihn herantreten, um ihn für die Dienste für den chinesischen Kaiser anzustellen. Nach einer langen Überlegung entschließt sich Cox für die siebenmonatige Reise, mit der Hoffnung, dass dadurch seine stillgewordene Frau, Faye, aus der Schweigsamkeit erwacht. 

 Christoph Ransmayr ist ein ehemaliger DDR Schriftsteller. Äußerst bekannt wurde er mit dem trivial wirkenden Titel „Drachenblut“. Mit „Die letzte Welt“ wagte er sich an die „Metamorphosen“ von Ovid heran und stieg zu einem der bedeutendsten deutschen Schriftstellern unserer Zeit auf. Mit seinem neuesten Roman jedoch ist ihm ein absoluter Fauxpas widerfahren. Es ist der wohl mit Abstand schlechteste Roman dieses grandiosen Autors.

 In China bekommt sein Protagonist verschiedene Aufträge. Von einer Winduhr, die den Lauf der Zeit eines Kindes zeigt, einer Geschwindigkeit des Tages- und Stundenlaufes vom Lebensende – bis zur Uhr die über alle Ewigkeiten alles messbar macht und schlägt. Man erhält die Beschreibung eines chinesischen Kaisers, der der mächtigste Mann der Welt ist. Vielmehr stellt er einen Gott dar. Cox wird instruiert, wie er sich vor dem Kaiser zu benehmen habe. Von Ritualen des Kniefallens bis zu der Kleidung (nie in Gold, weil sonst würde man dem Kaiser gleichen) und man darf dem Kaiser niemals in die Augen blicken. Mit der Zeit besucht der Kaiser die Gruppe um Cox sogar und stellt sie so auf eine Ebene mit ihm und manifestiert eine Menschlichkeit, die die Gottgleichheit als Utopie entblößt. Dieser Teil der Geschichte ist mitunter, der einzige wirklich gelungene. 

 Die Geschichte findet ansonsten keinen Faden. Die Figuren verlieren sich in einer ungewöhnlich profanen Plastizität. Die Handlungen werden so lange strapazierend dargestellt, bis man als Leser das Gefühl und das Interesse am Inhalt verliert. Es verläuft kein Spannungsbogen durch die Geschichte. Zu keinem Zeitpunkt schafft es der Handlungsablauf eine Zielvorgabe oder Sinnesfindung zu geben. Der Autor hat einen guten Stoff genommen und ihn nur manifestiert, aber keine profunden Deutungen und Intentionen vorangebracht. Es ist beinahe ein Buch ohne Inhalt geworden. Wäre da nicht die vom Autor gewohnte Schreibfertigkeit, hätte dieses Werk niemals einen Verlag gefunden, weil es keine Qualität und Form besitzt.

 

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