Dienstag, 11. April 2017

Paul Cleave; Zerschnitten: Das Dämmerlicht des Seins


Paul Cleave ist für mich der Meister der Erzählungen. Ich habe bislang jedes Buch von ihm gelesen und mir scheint, dass er mit jedem Buch den Glanz des Schreibens verstärkt. Ich bin von diesem neuen Meisterwerk einfach nur elektrisiert.

Jerry Gray leidet an Alzheimer. Für jeden Menschen eine der schlimmsten Diagnosen, die man erhalten kann. Da Jerry ein Krimiautor ist, beschließt er seine Geschichte in einem Protokoll festzuhalten. Damit er nie vergisst, wer er einmal war. Kapitelweiße wird über den gegenwärtigen Zustand von Jerry geschrieben und Einträge aus dem Protokoll manifestiert. Auf diese Weise lernt man den Menschen, der er war, kennen. Eine äußerst geniale Idee.
Die Geschichte ist perfekt konstruiert. Zu dem Hauptprotagonisten Jerry, wird auch die Figur Henry Cutter erstellt. Diese ist der Pseudonym des Protagonisten für seine Krimis. Viel mehr wird jedoch deutlich, dass sie nicht nur ein Pseudonym ist, sondern auch eine eigene Persönlichkeit.
Für Jerry ist das Lesen seines Protokolls, die einzige Möglichkeit, sich zu erinnern, wer er ist. Selbst, wenn er diese Person aus der Vergangenheit für fremd ansieht und sie wohl auch gar nicht mehr mag. Als das Protokoll jedoch verschwindet und er sich nicht mehr erinnert, wer und was er ist, schwimmen die Irritationen in seine Hirngegenden und er ist plötzlich alles. Familienvater, Krimiautor, Demenzkranker und MÖRDER. Doch hat er all die Taten, die ihm angelastet werden, tatsächlich begangen?
Wem kann er trauen, wenn er nicht einmal sich selbst glauben kann?

Ein perfides Spiel beginnt, bei dem Paul Cleave sein größtes Können beweist. Vielleicht kann man sich den Verlauf der Geschichte mit der Zeit eigens konstruieren und denken, doch so, wie das Ende letztendlich konstruiert wurde, ist es einzigartig. Ein Prototyp der seinesgleichen sucht. Ein äußerst unerwartetes Ende.

Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung!



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